Offsite-Backup mit Arq auf dem Mac

Backups sind wichtig. Wie wichtig, merkt man meist erst, wenn es zu spät ist und man sich ärgert keines zu haben. Gerade die technikaffinen unter uns, die „Digital Natives„, haben alles oder vieles ausschließlich digital. Da wären Fotos, Rechnungen, Belege, Passwortdatenbanken (1Password z.b.) etc. pp. Wie würdet ihr reagieren, wenn all diese Daten auf einmal weg sind?

Mit OSX wird schon ein für viele einfach zu bedienendes Programm mitgeliefert: Time Machine. Das nutzen sicher auch viele von Euch und es ist auch immer ein gutes Gefühl zu wissen, dass man ein Backup hat.

Aber wer treibt den Aufwand, dieses Time Machine Backup sicher zu lagern? Wer denkt an Feuer- oder Wasserschäden? Wer an Blitzschlag?

Klar, man kann sich einreden, dass das einem nicht passiert oder die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist. Aber sagt man das auch noch, wenn es passiert ist?

Ich für meinen Teil will nicht, dass das passiert. Dafür sind in den Daten zu viele Erinnerungen und auch andere wichtige Dinge. Zwar klemme ich mein Time Machine Volume nur an, wenn ich ein Backup erstelle und ziehe es danach vom Rechner, aber ich bin nicht dagegen gewappnet wenn die Wohnung unter mir brennt und die Feuerwehr mit dem Löschen anfängt und meine Wohnung bzw. mein Backup nachher einen Wasserschaden davon trägt 😉

Daher habe ich mich umgeschaut und bin über diverse Anbieter von Online-Backups gestolpert. Egal ob Backblaze, Mozy oder Jungle Disk. Alle bieten einem an, sein Backup im Hintergrund in die Cloud zu schieben. Genau das Richtige für mich 🙂 Aber man fängt auch an, sich einige Fragen zu stellen.

Sind die Anbieter auch in 1-2 Jahren noch da? Wie sicher sind meine Daten dort? Habe ich irgendwelche Einschränkungen? Und mit was für Kosten muss ich rechnen?

Im Zuge der Suche bin ich bei MacMacken (sehr ausführlicher und lesenswerter Artikel über Arq und Online-Backups) noch auf eine andere Cloud-Alternative gestoßen. Diese nennt sich Arq Backup und machte auf mich auf Anhieb einen guten Eindruck. Im Prinzip mach Arq Backup genau das, was Backblaze, Mozy und Jungle Disk auch tun: ein Backup in die Cloud. Aber der für mich größte Vorteil war, dass ich die komplette „Herrschaft“ über meine Daten habe. Warum?

Arq Backup ist in erster Linie nur eine Backup-Software und benötigt, um zu funktionieren, einen Amazon S3 Account. Amazon S3 ist nichts weiter als Online-Storage mit mind. 99,99% Verfügbarkeit. Da Amazon nur das abrechnet, was man wirklich verbraucht und online auch eine Kostenübersicht anzeigt, war die Software schnell installiert, der Account eingerichtet und es wurde ausprobiert. Ein weiteres Argument für ein Backup bei Amazon kann sein, dass Amazon ein großes, bekanntes und „sicheres“ Unternehmen darstellt und nicht von heute auf morgen „verschwindet“.

Arq Backup selbst bietet nicht viele Spielereien. Es tut, was es tun soll und der Support bzw. Kontakt zum Entwickler ist freundlich, kompetent und schnell. Zu sichernde Ordner lassen sich einfach per Drag&Drop in das Fenster hinzufügen und wenn bestimme Unterordner oder Dateien nicht mit gesichert werden sollen, lassen sich dafür Regeln erstellen. Nachdem man seine S3 Accountdaten eingegeben hat, kann man Arq Backup ein Budget vorgeben damit man nicht eine böse Überraschung erlebt ;).

Bei mir sind es für den Anfang 6 USD (entspricht 60GB Storage). Hinzu kommt aber noch „incoming traffic“ und „outgoing traffic“ mit jeweils ca. 11 US cent pro GB. Wer vorher ausrechnen will, mit was für Kosten er im Monat zu rechnen hat schaut sich am besten mal den Amazon S3 Calculator an. (amazon hat vor kurzem auch die Preise erneut für S3 reduziert)

Damit die Daten nun gesichert werden und auch entsprechend sicher übertragen werden, kann man mit Arq Backup noch ein Kennwort definieren mit dem es die Daten lokal (mit AES-256) verschlüsselt und anschließend per https in die S3 Cloud sichert. Hier sollte man sich also ein gutes, 32-stelliges Kennwort überlegen und das später auch entsprechend sicher aufbewahren 😉

Kurz die Vorteile aus meiner Sicht zusammengefasst:

  • einmalige Kosten für die Arq Lizenz sind gering
  • Sicherheit durch Nutzung eines eigenen Amazon S3 Accounts
  • Sicherheit durch lokales Verschlüsseln der Daten bevor sie in die Cloud übertragen werden
  • Backup Bouncer Test bestanden (Arq sicher alle Metadaten von Dateien)

Natürlich dauert das initiale Backup entsprechend lange. User mit einer geringen Upload-Bandbreite haben hier gut zu tun. Sind die Daten aber erstmal dort, schaut Arq Backup stündlich nach, welche Dateien sich geändert haben und sichert nur noch die geänderten Daten in die Cloud. Das geht dann auch relativ schnell (natürlich wieder abhängig von der eigenen Upload-Kapazität).

Nun mag der ein oder andere User wesentlich mehr als 50 GB Daten auf der Platte haben, die gesichert werden wollen. Ich für meinen Teil habe mir überlegt, welche Daten mir wirklich wichtig sind und was ich bereit bin, im Monat dafür auszugeben. Einen großen Teil kann man einsparen, indem man z.B. darauf verzichtet, den Programme Ordner zu sichern. Nach einer Neuinstallation ziehe ich meistens eh dann die aktuellen Versionen. Also bleiben bei mir noch die Ordner „Musik“, „Bilder“, „Dokumente“ und „Application Support“ für die Programm-Settings. Wobei hier bei Euch sicherlich „Musik“ und „Bilder“ am größten sein werden. Man sollte Bedenken, dass das Online-Backup in erster Linie meistens ein Rettungsanker ist wenn das System die Grätsche macht und das Time Machine Backup ebenfalls weg ist. Evtl. macht man sich vorher Gedanken, was man alles sichern muss bzw. was einem in solch einem Fall am wichtigsten ist.

Was aus meiner Sicht noch verbessert werden kann (und andere vor mir schon „bemängelten“) :

  • Das Menu-Item könnte die Größe des aktuellen Backup-Vorgangs und die Rest-Zeit anzeigen
  • Der aktuelle Speicherverbrauch bzw. die Größe des S3 Buckets sollte im Hauptfenster anzeigbar sein
  • Die Größe der einzelnen Ordner die gesichert werden sollte in der Übersicht angezeigt werden
  • Eine Integration in den Finder wäre super, so dass z.B. mit Rechtsklick ein Ordner dem Backup hinzugefügt werden kann oder entfernt werden kann.

Wer den Artikel bis hier gelesen hat und Arq Backup vielleicht schon getestet und für gut befunden hat, der hat die Chance eine Family Lizenz zu gewinnen und sein Backup in Zukunft auch in die Cloud zu schieben 😉

Beschreibt mir euer Backup-Konzept und was ihr an Online-Backups gut oder schlecht findet. Unter allen Kommentaren wählt random.org am Sonntag, den 17.11. 14.11. um 20 Uhr, einen Gewinner aus. (Bitte gebt eine gültige Mailadresse an damit ich euch die Lizenz zuschicken kann wenn ihr gewonnen habt!)

15 Kommentare

  1. Die gleiche Frage stell ich mir auch schon seit einiger Zeit. Bis jetzt macht meine TimeMAchine rund 3 mal im Monat ein Backup. Das wars. Eine Zeit lang hab ich CrashPlan zusätzlich genutzt. Um es wirklich effektiv nutzen zu können braucht man aber einen zweiten Computer an einer anderen Stelle, mit einer schnellen Internetverbindung. An der schnellen Internetverbindung hats dann gescheitert 😉 Grundsätzlich ist das Programm aber sehr zu empfehlen. Gerade auch weil mans auch unter Windows einsetzen kann.
    Was ich mir auch überlegt habe: Letztens gabs bei der Telekom 20GB online Speicher gratis. Man kann per WebDAV darauf zugreifen. Gibts ein BAckup Programm, welches WebDAV unterstützt und dazu genutzt werden könnte, auf den Telekom Server seine Daten hochzuladen?

    • Mir ist gerade keins bekannt was WebDAV unterstützt. Aber vielleicht ist rsync bzw. ein rsync mit GUI da behilflich. 🙂

  2. Ich hab das Tool auch mal getestet, ist im Prinzip ganz nützlich und gut. Allerdings landen bei mir alle Backups auf einem RAID5 NAS, daher sichere ich mein Zeug nach S3 mit Linux Tools 😉 Ansonsten interessanter Artikel! Ich würde meine Daten allerdings nicht bei der Telekom sichern, da können die Daten ja gleich hier zuhause bleiben xD

  3. Amazon als Wolke nutzen, auf die Idee bin ich bisher nicht mal im Ansatz gekommen. Zwar ist das speichern von „meinen Daten“ in einer Wolke nach wie vor nichts für mich, aber für Bekannte und Freunde schon.

    Demnach also gut zu wissen das mit Amazon S3!

    Mein BackUp mache ich nach wie vor zu Hause per HDD-Lösung, auf mehreren untereinander bespiegelten Festplatten. Die für mich persönlich am wichtigsten Daten, was nur so knapp 50GB-60GB sind liegen zudem auf einer mobilen und sicheren sowie robusten HDD vor welche ich für den Fall der Fälle schnell einpacken kann. Wo diese Platte liegt weiß zudem nur Ich und kein Anderer. 😉

    • Aber würdest Du im Falle eines Brandes daran denken, die Platte mitzunehmen? Oder bist Du immer zu Hause wenn es bspw. anfängt zu brennen? 😉 Ich eher nicht. Daher find ich es beruhigend meine bisher 30GB Daten bei S3 zu haben. Sorgen um die Datensicherheit mache ich mir ehrlich gesagt keine. Es wird lokal mit einem entsprechend langem und guten Kennwort alles verschlüsselt und ebenso übertragen. Hinzu kommt ja, dass der S3 Speicher „mein eigener“ ist und nicht gesammelt mit anderen Daten da rumliegt. 🙂

      • Immer zu Hause bin Ich nicht, aber meistens. Wobei ob ich zu hause bin wenn es brennen sollte im Haus mit den ganzen Mietparteien, das weiß ich nicht.

        Mir geht es auch um die Kosten, welche sich durch meine eigenen Hardware nur in puncto Stromkosten ergeben, welche auch eher wenig sind und nicht wirklich ins Gewicht fallen bei der Jahresrechnung von Strom!. Ich habe ungern irgendwo in irgendeiner WOLKE ein paar Daten von mir ausgelagert.

        Die eine Festplatte ist in der Tat allerdings so gut geschützt dem Ort wo selbige liegt auch einen Brand unbeschadet überstehen würde. 😀

  4. Interessanter Artikel. Muss ich mal drüber nachdenken. Ich benutze zwar die TM und sichere diese noch mal ab und an auf eine externe Platte. Ich glaube das teste ich mal an.

  5. Fotos, Videos und Musik brauche nicht backuppen. Den Luxus habe ich bei meinen physisch vorhandenen alten Fotos, alten Negativstreifen, DVDs, CDs und meinem Bücherregal ja auch nicht. Was da weg ist ist weg. Immerhin geht es da ja auch wirklich nur um Brand und Diebstahl . Einen Regalabsturz überlebt so ein Buch besser als eine eMail einen Festplattenabsturz 🙂

    Meine rein digitalen Daten werden regelmäßig gebackuppt, die dazugehörigen Platten stehen natürlich im Keller.

    Offsite-Backup kommt natürlich auch dazu: das große Backup (da bin ich komplett knapp über 1 GB aktuell) wird bei der monatlichen Backup-Orgie über VPN und SSH einfach 250km weiter gelagert. Wofür administriert man denn so viele Rechner 🙂
    Und da einmal im Monat für eMails zu wenig ist, werden die jetzt Nacht dorthin repliziert, inklusive 7 Tage Historie.

    Sollte reichen.

    Und wenn man doch mal z.B. einen Laptop neu einrichten muss, merkt man wieder, was man alles nicht gesichert hatte 🙂

  6. Danke für den Tipp mit dem S3 als Backup. Ich habe eine alternative Lösung gefunden. duplicity
    http://duplicity.nongnu.org/
    Es ist ein Konsolen Tool. Es ist unter Linux zu Hause. Aber auch für Mac OS und Windows (cygwin) verfügbar.
    Diverse Anleitung sind gut im Netz zu finden. Sollten fragen bestehen, darf mir gemailt werden.

    Mfg

  7. Ich kann an Online-Backups eigentlich nicht viel schlechtes finden, außer dass das Sichern und Wiederherstellen eine ganze Weile dauert. Ich habe ein Jahr Mozy genutzt, bin jetzt bei Backblaze und würde Arq mit S3 gerne mal länger testen.

    • Jepp, das Wiederherstellen und Sichern dauert leider lange. Aber bei mir ist es die zweite Stufe Sicherheit wenn das lokale Backup nicht mehr existiert. Dann darf es auch ruhig länger dauern. Hauptsache es ist da 🙂

  8. Ein interessanter Artikel. Habe ich doch erst diese Woche das Problem gehabt, das ich unbedingt mein Backup zurück spielen musste. Vorab es ging dann doch, hat aber 4 Tage ohne ein vernünftig laufendes System bedeutet. (war zum Teil natürlich beruflich bedingt, da ich keine Zeit hatte).

    Ich sichere mein MacBook regelmäßig mit der TM auf einen Homeserver. So weit so gut. Zusätzlich setzte ich Mobile Me ein. Hier sicher ein Teil meiner Daten. Natürlich reicht der Platz nicht aus. Normalerweise ist dies im privaten Bereich ausreichend, wenn dann das Rückspielen des Backup funktioniert hätte. Die Daten die ich online gesichert habe bekam ich im nu zurück. Aber meine Backup welches ich dringend brauchte (Musik und Bilder) vor allem, wollte sich nicht zurück spielen lassen.

    Kurz gefasst, meine Meinung über „Online“ Backups habe ich nun auch geändert.

    Gruß aus Regensburg

    Dirk

    • Also hat sie sich ins positive geändert 😉 Aber wichtig ist ja, dass Du Deine Daten wiederherstellen konntest. Zweigleisig ist da nicht der schlechteste Weg.

  9. Die Family Lizenz von Arq Backup geht an Tim (rofthedeep). Herzlichen Glückwunsch! Du bekommst gleich den Code von mir per Mail.

    Mitch hat nicht daran teilgenommen mangels OS X 😉
    Allen anderen vielen Dank für Eure Teilnahme und viel Glück beim nächsten Mal!

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